Guerilla Girls+

Video-Installation, Düsseldorf, 2012 Guerilla Girls

„Das ist einfach diese Art von Performance zu machen.“ sagt Cao, während sie über ihre Performmance Guerilla Girls (Juni.2012) erzählt. Das Performative und die Bewegung des menschlichen Körpers bestehen als entscheidende Elemente in ihren weiteren Arbeiten fort. So auch in ihrer erste Performance Guerilla Girls.

„Do women have to be naked to get into the MET Museum?” Dieser als eine Frage formulierte Aufruf ist auf einem Plakat von Guerilla Girls, einer Gruppe von anonymen Künstlerinnen aus dem Jahr 1989 (Abbildung 10), zu sehen. Die Gruppe setzt sich besonders für die Verbesserung der ungleichen Stellung, auch von nicht aus europäischen und westlichen Ländern stammenden Künstlerinnen, ein. Die Guerilla Girls tragen meistens nur eine zum Markenzeichen gewordene Gorillamaske, mit der sie auch bei ihren Vorträgen, Kundgebungen, gemeinsamen Ausstellungen usw. ihre Identitäten verbergen. Zudem erfinden sie für diese öffentlichen Auftritte Pseudonyme, für die sie sich von anderen bekannten Künstlerinnen inspirieren lassen und dadurch in Bezug zu ihnen setzen. Auf dem oben genannten Plakat ist die berühmte Darstellung Grand Odalisque von Jean Auguste Dominique Ingres (1814) umgestaltet zu sehen: Auf das Gesicht der nackten Frau ist eine Gorillamaske gesetzt worden. Zusätzlich ist der Bildhintergrund in ein strahlendes Gelb verwandelt.

Durch die Verwendung des Titels Guerilla Girls legt die Yixiao Cao ihre Affinität zu dieser feministischen Gruppe und deren Gedanken offen. Die Performance wurde in einer Videowerkstatt aufgenommen, wo von lediglich der Boden als Hintergrund zu erkennen ist. Im Performancevideo setzt sich die Künstlerin selbst völlig nackt, ausschließlich mit hohen Absatzschuhen bekleidet in Szene, als ob sie den Aufruf des feministischen Plakats verkörpern würde. Die Künstlerin tritt jedoch anonym auf, indem sie, mit ihrem Körper auf dem Boden liegend ihr Gesicht von der Kamera wegdreht (Abbildung 11). Während sie aus dem linken in den rechten, statisch gehaltenen Bildausschnitt kriecht schließlich sie ganz aus dem Bild verschwindet, ist eine diffus klingende Stimme zu hören. Diese stammt aus einem Vortrag Future Feminist Symposium, der im Rahmen des Yoko Ono’s Meltdown Festivals in Queen Elisabeth Hall im Juni 2013 stattgefunden hat. In dem Ausschnitt stellt die Stimme das Ergebnis ihrer Recherche vor:

“Everybody thinks that the art world is getting better in a treatment of woman artists. Let’s go back to our poster from 1989, well we went to the metropolitan museum to conduct what we like to call the Winni Count, we counted naked males and naked females in the artworks. Less than 5 % of the artists in the modern art section are women(artists), but 85% of the nudes are female. So 2005 we went back to the MET and counted again, and this is what we found, a few less women artists and few more naked males [….].”

Mit einem leicht ironischen Humor unterstreicht der Vortrag im übrigen Verlauf durch die Nennung weiterer Daten aus Rechercheergebnissen sowie korrekter Beispiele, die enttäuschende Situationen von Künstlerinnen. Die missliche Lage von nicht aus europäischen und westlichen Ländern stammenden Künstlerinnen wird dabei besonders hervorgehoben, indem Vergleiche aufgeführt werden und anhand von Zahlen ihre Unter-repräsentanz in musealen Sammlungen belegt wird. So wird beispielsweise die MoMA-Ausstellung objects of desire: the modern stilllife (1997) erwähnt, bei der das Stillleben in der Moderne nur von drei Künstlerinnen vertreten wurde.

Während man sich beim Betrachten von Caos Guerilla Girls darauf konzentriert, die von ihr manipulierte Stimme des Vortragenden im Hintergrund zu verstehen, taucht langsam die Bewegung der Künstlerin im Bildausschnitt auf. Ihr nackter Körper lässt die Muskelanstrengung in dem schwarz- weiß gehaltenen Video besonders hervortreten, wobei ihr Körper in fast bleichweißer Farbe auf dem hellschwarzfarbigen Bildhintergrund erscheint. Die schwierige Situation der Künstlerinnen, die von der Sprecherin aus dem Off illustrativ beschildert wird, wird durch diese Aktion noch mal ins Bild gesetzt und von damit demonstriert.